Weltausstellungen

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Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die industrielle Revolution in England begonnen und dann in der zweiten Hälfte auf ganz Europa übergegriffen hatte, kam es zu einer rapiden Weiterentwicklung in Technik und Wissenschaft. Schon im Zeitalter der Aufklärung hatten sich die führenden geistigen Köpfe aller europäischen Staaten aber vor allem Großbritanniens, Frankreichs und des zerrissenen Deutschland, wo es zu einer Konkurrenz einiger Territorialfürsten in der Förderung der Naturwissenschaften kam diesen Wissenschaften zugewandt in der richtigen Erkenntnis, dass hinter der Entwicklung der Naturwissenschaften ganz handfeste wirtschaftliche Chancen steckten.

Die Dampfmaschine ( 1769/1770) , die Dampflokomotive, die Entdeckung des Sauerstoffs (1722), die Einführung des Kokshochofens (1776), die Spinnmaschine (1779), der Heißluftballon (1782/83), der mechanische Webstuhl (1785), die Baumwollentkernmaschine (1793) sind einige Marksteine des aufkommenden Zeitalters. Im 19. Jahrhundert beschleunigte sich diese Entwicklung erheblich. Vor diesem Hintergrund läßt sich erkennen, daß die herkömmlichen Formen der Vermarktung dieser Flut neuer Erkenntnisse in der Bautechnik, in Chemie, Bearbeitungstechnik, Energietechnik, Verkehrstechnik und Informationstechnik nicht mehr ausreichten. Es war nötig, ein breites Publikum auf das Neue aufmerksam zu machen, es dafür zu interessieren und so die potentiellen Anwender sozusagen in einem Sog der öffentlichen Meinung zu vermehrtem Einsatz der neuen Techniken, Werkstoffe und Materialien zu veranlassen. Dabei ging es nicht primär um Unterrichtung und Belehrung, sondern darum, die wirtschaftliche Bedeutung sichtbar zu machen und so Impulse zur Industrialisierung auf privatwirtschaftlicher Basis zu geben.

Es gab zwar schon bedeutende Nationalausstellungen in Frankreich und in Deutschland. Sie hatten die beschriebenen Aufgaben für die nationalen Märkte bereits übernommen, weil die wenigen Handelsmessen, die dem Verkauf ab Lager in der Messestadt dienten, dafür völlig ungeeignet waren; die bestehenden Messen, vor allem in Leipzig, waren rein absatzwirtschaftliche Veranstaltungen. Die Nationalausstellungen hatten nicht die weltweite Ausstrahlung, die in einer auch damals bereits global - oder doch zumindest europaweit - operierenden Wirtschaft allein die gewünschte Umsetzung der neuen Techniken in die Anwendung bewirken konnte. So kam die Idee auf, in einer weltweit beschickten Veranstaltung unter Beteiligung möglichst vieler Staaten eine nicht kommerzielle Präsentation durchzuführen, die möglichst alle Fachgebiete einschließen sollte. Nicht ohne massive Widerstände wurde diese Idee im Jahr 1951 in London verwirklicht. Der beabsichtigte Effekt wurde mit überwältigendem Erfolg erreicht. 17 000 Aussteller aus der ganzen Welt nahmen teil. Die Zahl der Besucher wird mit 6 Millionen angegeben. Die Ausländerbeteiligung betrug über 50%. Die Presse, die damals aufkommenden populärwissenschaftlichen Bücher, die Fachveröffentlichungen waren über Monate hinaus Plattform einer intensiven Berichterstattung.

Und da die Regierenden in aller Herren Ländern die Weltausstellung als Gelegenheit weltweiter Selbstdarstellung gegenüber einem Riesenpublikum nutzten was umso besser gelang, als der Prinzgemahl der britischen Königin Victoria, Prinz Albert, Schirmherr der Veranstaltung war ging die Publizität weit über die rein technische Berichterstattung hinaus. Noch heute wird auch von dem damals für die Weltausstellung errichteten Kristallpalast gesprochen, der Vorbild wurde für eine ganze Generation glasüberdachter Markthallen und Fußgängerzonen (Gallerias), die heute eine Renaissance erleben. In der Folgezeit kam es zu einer Fülle von Weltausstellungen, die an den Erfolg der Londoner Veranstaltung anknüpfen sollten und auch zunächst von deren Resonanz profitierten, dann aber am Beginn des 20.Jhd. zu einer Last für die Wirtschaft wurden, weil sie zu häufig veranstaltet wurden und sich auch als Instrument der Wissensverbreitung abnutzten. Immerhin verdanken einige markante Bauwerke, wie z.B. der Eiffelturm (1900), ihre Existenz der Durchführung von Weltausstellungen.

Den Weltausstellungen war eine vielfältige Palette von Aufgaben zugedacht. Sie sollten die beteiligten Nationen repräsentativ darstellen, zugleich aber der nationalen Imagepflege ebenso dienen, wie der Förderung des Güterabsatzes und der Durchsetzung neuer Techniken. Auch sie waren aber in erster Linie Absatzveranstaltungen, wenn auch überdeckt von einem dem Zeitgeist entsprechenden ”Welt Verbrüderungsanspruch". Dieser überlagerte jedoch nach einigen Jahren den Charakter der Absatzveranstaltungen und wurde gleichzeitig im Gefolge macht und weltpolitischer Ereignisse unglaubwürdig. Beides führte zum Niedergang der Weltausstellungen, deren absatzwirtschaftliche Funktionen zudem von Nationalausstellungen, Gewerbeausstellungen und Messen mehr und mehr übernommen wurden, denn die Umstrukturierung der bestehenden Handelsmessen in Mustermessen nahm den Weltausstellungen viel von ihrer Wirkung, weil die Mustermessen die Durchsetzung neuer Techniken nun besser und zielgenauer wahrnehmen konnten als zuvor. Für die Weltausstellungen wurde daraus die Konsequenz gezogen, sie absatzwirtschaftlich auszurichten. Damit gelang es am Beginn des 20.Jahrhunderts noch einmal, sie zu zentralen Orten der Zusammenführung internationalen Angebots mit internationaler Nachfrage zu machen.

Bereits im letzten Viertel des 19.Jahrhunderts entstanden fachlich orientierte National- und Weltausstellungen wie die Elektrotechnische Ausstellung, Transportausstellungen, Gewerbeausstellungen, die vielfach Schauplätze der Erstpräsentation von Technik Anwendungen waren.

Die Weltausstellung in Brüssel (1910), die Centenner Ausstellung in Buenos Aires (1910), die Internationale Industrieausstellung Turin (1911) sind Beispiele für den neuen Typ der Weltausstellung, der sich auch in den neuen Bezeichnungen dokumentieren sollte; sie waren auch durchaus erfolgreich. Den Niedergang der Weltausstellung als Veranstaltungstyp konnten sie aber nicht mehr aufhalten. Der Weltkrieg 1914 1918 und die nachfolgenden Wirtschaftskrisen gaben ihnen dann den Todesstoß. 1929 fand noch eine Weltausstellung in Barcelona statt, an der sich erstmals wieder auch Deutschland beteiligte. Am 22.November 1928 wurde das lange vorbereitete Abkommen über Internationale Ausstellungen in Paris unterzeichnet, das zur Gründung des Bureau International des Expositions (BIE) führte. Es legte die Zeitfolge der internationalen auf Regierungsebene stattfindenden Weltausstellungen fest und regelte die bei der Durchführung zu beachtenden Formalitäten. Das Abkommen enthielt auch Sonderbestimmungen, z.B. für Verkehrserleichterungen und Regeln, die von Preisgerichten einzuhalten waren, denn das Preis und Qualitätsmünzenwesen hatte überhand genommen.

Obwohl z.B. noch in 1937 wieder eine Weltausstellung in Paris stattfand, an der sich auch das Deutsche Reich beteiligte, zeichnete sich ab, daß auch dieses Abkommen den Weltausstellungen nicht wieder Leben einzuhauchen vermochte. Dann unterbrach der Zweite Weltkrieg den Neuorientierungsprozeß, so daß nach 1945 zunächst an die Vorkriegstradition angeknüpft wurde. Im Jahr 1958 fand noch einmal eine Weltausstellung alten Stils in Brüssel statt, die der Stadt das Atomium bescherte, und die bereits kaum noch absatzwirtschaftliche Bedeutung hatte. Das Gleiche muss von den Weltausstellungen 1967 in Montreal und 1970 in Osaka gesagt werden, an denen sich die Industrie nur mit begrenztem Engagement beteiligte. Seit das Bureau International des Expositions (BIE) in Paris seine Statuten überarbeitet hat, gab es zwei Arten von Weltausstellungen: die Universalausstellung alten Stils und die Weltfachausstellung. Die Universal-Ausstellungen sollten nur in Abständen von zehn Jahren und Weltfachausstellungen im 5 Jahresabstand stattfinden. Die Weltfachausstellungen sollten als “Kleine Weltausstellungen” gelten. Im Jahr 1997 beschloss das BIE eine erneute Überarbeitung der Klassifizierung, weil die Unterscheidung nach “universellen” Weltausstellungen und “speziellen” Weltfachausstellungen nicht durchzusetzen war. Danach gibt es künftig “anerkannte” und “registrierte” Weltausstellungen Doch diese Differenzierung wird sicher das Schicksal der bisherigen teilen, denn sie ist nicht weniger bürokratisch formuliert und wirkt zudem abstufend-diskriminierend. Bisher jedenfalls konnte sie in der Öffentlichkeit nicht durchgesetzt werden. So wurde die Weltfachausstellung in Lissabon 1998 als “Große Weltausstellung” dargestellt und von der Öffentlichkeit auch wahrgenommen, was durchaus verständlich ist, weil die Veranstalter daran interessiert sind, durch das Herausstellen der Bedeutung die Besucherzahl zu steigern.

Nächste anerkannte Weltausstellung ist die Expo 2000 in Hannover. Sie wird in besonders sinnfälliger Weise die Richtigkeit der Einschätzung zeigen, die Weltausstellungen seien mit Blick auf das weltweit funktionierende Messewesen als Absatzförderungs-Veranstaltungen überlebt und als Instrumente der Wissens- und Erkenntnis-Übermittlung zu teuer. Die schwierige Akquisition von Sponsorschaften und Beteiligungen aus der Wirtschaft, die geradezu dilettantische Öffentlichkeitsarbeit und die sich immer mehr verstärkenden Zweifel an der Realisierung der erhofften Besucherzahl von zunächst 60 Millionen, die dann auf 40 Millionen revidiert wurde, was als nicht weniger überhöht gilt, lassen die Unsicherheit erkennen, mit der die Organisatoren an die Verwirklichung der Veranstaltung herangegangen sind. Der AUMA äußert sich sehr zurückhaltend und engagiert sich erkennbar nur unter politischem Druck und beruft sich immer von Neuem auf die Beschlusslage innerhalb der Wirtschaft: ”Die deutsche Wirtschaft bleibt bei ihrem Standpunkt, dass Weltausstellungen nicht als Instrument zur Absatzförderung im Ausland geeignet sind. Die Aufwendungen für deutsche Präsentationen bei Weltausstellungen beschränken die Möglichkeiten der Fachmesseförderung im Rahmen des Auslandsmesseprogramms, solange die Finanzierung der deutschen EXPO-Beiträge immer noch aus dem Etat der Auslandsmesseförderung bestritten wird.” Er ergänzt: ”Der AUMA hat nach Gesprächen mit den in Frage kommenden Industrieverbänden dem BMWi diese ablehnende Haltung der Deutschen Wirtschaft in bezug auf die beiden geplanten Projekte im Jahr 2002 mitgeteilt.”

Für das Jahr 2002 bewarben sich Cold Coast/ Australien mit dem Thema “Exploring thge International Electronic Village: a new form of communications in the 21st century” und Manila mit dem Thema “EcoTourism, Growing with Nature. Beide zogen jedoch ihre Bewerbungen zurück. Für das Jahr 2005 hat das BIE sich gegen das kanadische Calgary und für die japanische Stadt Seto entschieden.

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