Nationalausstellungen / Landesausstellungen

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Am Ende des 18. und zu Beginn des 19.Jahrhunderts versuchten zahlreiche merkantilismusorientierte Landesfürsten, mit Hilfe von National und Landesausstellungen die Leistungen der Ingenieure und Chemiker, der Wissenschaftler und Tüftler einem breiten Publikum nahezubringen, die Anwendung zu fördern und damit Wirtschaftsförderung zu betreiben. So entstanden zunächst in Frankreich und dann nach diesem Vorbild in deutschen Ländern Landesausstellungen. Darüber hinaus wurde erstmals der Versuch einer Reichsausstellung gemacht, der aber zunächst an den Länder-Egoismen scheiterte. Die Entwicklung der Weltausstellungen gab der Darstellung nationaler Angebote einen größeren, weltweit wirkenden Rahmen und machte Nationalausstellungen überflüssig. Zwischen den beiden Weltkriegen kam es dann wieder zu einem Aufleben von Nationalausstellungen zur Förderung des nationalen Exports und zu Ausstellungen mit eher volksaufklärerischen Zielen, wie die Deutsche Hygiene Ausstellung 1930 in Dresden. Ähnliche Entwicklungen hat es nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben. So entstand die Hannover Messe als Exportschaufenster der deutschen Wirtschaft, wandelte aber diesen Charakter sehr bald zugunsten ihrer Rolle als Weltmesse mit internationaler Aussteller und Besucherbeteiligung. Die Exportmesse Kanton, die 1949 entstand, hat diese Rolle bis Anfang der 90er Jahre behalten, während die seit den 80er Jahren in China entstandenen Messen zunächst ausschließlich Importmessen waren, die praktisch keine ausländische Besucherschaft haben.

Anders hingegen sind die Präsentationen der heimischen Wirtschaft im Ausland zu beurteilen. Fast alle Industriestaaten, aber auch Entwicklungs und Schwellenländer führen solche Veranstaltungen durch. So haben in der Bundesrepublik Deutschland Präsentationen der USA, Frankreichs und Großbritanniens, Indiens, der VR China, Kenia u.a.m. stattgefunden. Diese Präsentationen waren in der Regel Veranstaltungen, die versuchten, die gesamte Angebotspalette der jeweiligen Staaten zu zeigen. Das gelingt aber immer nur begrenzt, so dass häufig Schwerpunkte gebildet wurden. Es hat aber auch schon fachlich konzentrierte Nationalausstellungen in Deutschland gegeben. So führte das US Handelszentrum über viele Jahre hinweg in Frankfurt Fachausstellungen amerikanischer Anbieter durch.Sie fasste die Hersteller bestimmter Fachgebiete zusammen, die am Export nach Deutschland interessiert waren. Ähnliche Veranstaltungen, etwa für Elektronik Bauelemente oder für Mikrocomputer an verschiedenen deutschen Messeplätzen waren erfolgreich und wurden zu Keimzellen für Veranstaltungen mit einem über die US Anbieter hinausgehenden Exponatespektrum. Mit der raschen Entwicklung des Fachmessewesens in Deutschland sind solche Fachpräsentationen überflüssig geworden; in vielen Fällen sind sie Auslöser für die Entwicklung eigenständiger internationaler Messen geworden. Ganz ähnlich ist die Entwicklung der deutschen Nationalpräsentationen im Ausland verlaufen. Auch hier gab es nebeneinander Veranstaltungen mit fachlich übergreifendem Angebot (Industrieausstellungen) und fachlich konzentrierte Veranstaltungen, wie z.B. Technische Wochen, Metallverarbeitung aus Deutschland, Präsentationen der Bekleidungsindustrie, der Heimtextilienindustrie, des Maschinenbaus u.a.m. Inzwischen gibt es in fast allen Staaten ein mehr oder weniger funktionierendes Messewesen, so dass die staatlich geförderte und die selbständige Beteiligung an Fachmessen im Ausland deutlich Vorrang gewonnen hat.

Die erste große deutsche Industrieausstellung fand im Frühjahr 1954 in Mexico statt. Im Jahr 1956 folgte eine solche Ausstellung in Helsinki und in 1957 in Kairo. Im Jahr 1960 war Teheran Standort einer Deutschen Industrieausstellung, 1961 Khartum. Während Teheran ganz nachdrücklich die deutschen Exportinteressen im Iran etablieren und verstärken sollte, was auch gelang, entsprang Khartum eher dem Wunsch nach langfristigen Beeinflussung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der Republik Sudan und der Bundesrepublik Deutschland.

Im gleichen Jahr fand das viel beachtete Experiment einer Wanderausstellung der Bundesrepublik Deutschland durch Westafrika statt, die dem Umstand Rechnung trug, dass die westafrikanischen Staaten noch nicht über geeignete Ausstellungsgelände verfügten. Sieben Lastkraftwagen mit Spezialaufbauten quälten sich durch den Busch.

Immerhin war das Ergebnis so gut, daß sich im Jahr 1963 eine “Informations und Werbeschau" nach Afrika auf den Weg machte und mit 24 Fahrzeugen und 55 Begleitpersonen über 7 Monate lang insgesamt 27 Orte in Mocambique, Rhodesien, Njassaland, Tansania, Uganda und Kenia besuchte.

Im Jahr 1964 fand in Chicago eine Deutsche Leistungsschau “German Science past and present" statt, die dann in San Francisco, Houston, Minneapolis und San Diego wiederholt wurde.

Bukarest war 1965 Schauplatz der ersten selbständigen Industrie-Ausstellung. Nach der Deutschen Leistungsschau in Tokyo 1984 wurde in einer Befragung der Aussteller deren Einschätzung ermittelt. Danach standen der Aufbau eines Firmenimages, die Anknüpfung von Geschäftsverbindungen und die Intensivierung von Geschäftsverbindungen eindeutig mit großem Abstand obenan in der Liste der Ziele, während Auftragsabschlüsse auf dem Stand mit hoher Zahl der Nennungen als unwichtig erklärt wurden. Von rund 60% der Befragten wurde erklärt, die Ziele seien ganz oder teilweise erfüllt worden. Bemerkenswert ist auch, dass seinerzeit nur 13% der Aussteller bisher noch keine Geschäftsverbindung zu japanischen Partnern hatten. Seit den 70er und verstärkt seit der Mitte der 80er Jahre haben sich die Bundesländer vermehrt der Förderung von Beteiligungen der innerhalb der Landesgrenzen ansässigen Wirtschaft an In und Auslandsmessen zugewandt.

Deutsche Industrie-Ausstellungen 1954-1999

Jahr Ort Titel Aussteller Fläche m²
1954 Mexico City Deutsche Industrieausstellung 485 11.358
1956 Helsinki Deutsche Industrieausstellung 356 19.200
1957 Kairo Deutsche Industrieausstellung 425 12.000
1960 Teheran Deutsche Industrieausstellung 468 18.589
1961 Khartoum Deutsche Industrieausstellung 270 10.600
1965 Bukarest Deutsche Industrieausstellung 430 19.000
1966 Madrid Deutsche Industrieausstellung 472 19.460
1971 Sao Paulo Deutsche Industrieausstellung 375 22.000
1973 Mexico City FIMA - Deutsch Mexikanische Partnerschaftsausstellung 283 7.087
1975 Caracas 1. EIVA - Deutsch-Venolanische Partnerschaftsausstellung 150 6.200
1975 Moskau Ausstellung der BRD 192 5.100
1975 Beijing TECHNOGERMA – Deutsche Industrieausstellung 330 12.300
1979 Jakarta INDOGERMA – Deutsche Industrieausstellung 231 8.613
1980 Caracas 2. EIVA - Deutsch-Venolanische Partnerschaftsausstellung 109 4.000
1981 Mexico City Expo Technica Alemana 264 6.647
1983 Buenos Aires FERIAL - Deutsch-Argentinische Partnerschaftsausstellung 132 4.400
1984 Tokyo Deutsche Leistungsschau 634 15.437
1986 Caracas 3. EIVA - Deutsch-Venezolanische Partnerschaftsausstellung 70 2.331
1986 Jaunde Deutsche Wirtschaftsausstellung 98 2.400
1988 New Delhi TECHNOGERMA Indien ’88 / Deutsche Industrieausstellung 272 9.531
1991 Seoul TECHNOGERMA SEOUL ’91 / Deutsche Industrieausstellung 292 11.805
1991 Caracas 4. EIVA – Deutsch-Venezolanische Partenerschaftsausstellung 53 2.356
1994 Mexico City TECHNOGERMA Mexiko 316 12.192
1995 Sao Paulo Febral Partnerschaftsausstellung 316 10.804
1999 Jakarta TECHNOGERMA Jakarta 228 7.102


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Aus: Goschmann, Klaus | "Medien am Point of Interest" (1999)

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