Konferenz-Technik

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Seit Anfang der 60er Jahre Bezeichnung für die Gesamtheit der auf einer Tagung einzusetzenden ein- und mehrsprachigen Kommunikationstechnik. Die daraus resultierende Berufsbezeichnung „Konferenztechniker” gilt für Personen, die während einer Zusammenkunft die Tätigkeit eines Bedieners (Operators) ausüben und zusätzlich für die Wartung und Fehlersuche bei den zum Einsatz kommenden Geräten zuständig sind. Der Konferenztechniker handhabt und überwacht die Steuereinrichtungen der Beschallungs-, Konferenz- und AV-Technik sowie die für die Teilnehmer/Zuhörer und Dolmetscher erforderliche Ton-Qualität. Konferenztechnik

Brähler definiert Konferenztechnik als die Gesamtheit der auf Tagungen eingesetzten Medientechnik. Er ordnet demgemäß Konferenztechnik wie folgt:

  • Sprechen und Hören einsprachig
  • Diskussions- und Beschallungs-Anlagen
  • Sprechen und Hören mehrsprachig
  • Simultan-Dolmetscher-Anlagen
  • Sehen
  • Präsentations- und Projektions-Technik (Visualisierung)
  • Agieren
  • Abstimm- und Interaktionstechnik (elektronische Interaktion)
  • Sprach-, Bild und Datenkommunikation (vorzugsweise mit Orten außerhalb des Tagungsraums)

Die Funktionen der Konferenztechnik sind Identifizieren, Sehen, Mitteilen, Sprechen, Hören über Lautsprecher, Hören mit Kopfhörer und Agieren. Im Detail sind dies die Personenidentifizierung mit Namenverwaltung, die Übertragung von öffentlichen Mitteilungen und persönlichen Nachrichten (mit Namenverwaltung), die Diskussion mit/ohne Namenverwaltung und mit Wortmeldung, dezentrale und zentrale Beschallung, Simultanübertragung sowie Abstimmung und Interaktion mit/ohne Namenverwaltung. Mit den konferenztechnischen Geräten kann der Benutzer (Teilnehmer) - je nach Ausstattung des Tagungsraumes und seines Arbeitsplatzes - eine oder mehrere Funktionen nutzen.

Inhaltsverzeichnis

Konferenztechnische Geräte mit einer Funktion

Konferenztechnische Geräte für Teilnehmer werden nach ihrer Hauptfunktion benannt, z.B. Mikrofonpult, Konferenzempfänger oder Interaktionsgerät. Einige Geräte lassen sich von mehreren Teilnehmern gemeinsam nutzen, z.B. ein Mikrofon für zwei oder drei Teilnehmer oder ein Interaktionsgerät mit mehreren Chipkarten, andere Geräten können nur von einem Teilnehmer benutzt werden, z.B. den Konferenzempfänger.

Konferenztechnische Geräte mit mehreren Funktionen

Teilnehmergeräte. Sie verfügen über mehrere Funktionen wie z.B. Sprechen und Agieren. Sie kommen zum Einsatz bei Tagungen mit festgelegten Nutzungsarten, wie z.B. bei einem Parlament, wo jedem Teilnehmer alle im Gerät vorhandenen Funktionen bereitstehen müssen. Für den Mieteinsatz sind Teilnehmergeräte meistens ungeeignet.

Einsprachen-Übertragung

Die Größe, der Aufbau und der Umfang der tontechnischen Übertragungs- und Aufnahmeanlagenhängt von der Größe und Art des Tagungsraumes sowie von der Nutzungsart ab. Aus diesem Grunde werden an dieser Stelle keine Details festgelegt, sondern nur Einheiten behandelt. Alle tontechnischen Komponenten, mit Ausnahme der Tonbandgeräte, sollen die Festlegungen nach DIN 15905-4 erfüllen. Alle elektrischen Kenndaten gelten für einen Frequenzbereich von 40 Hz bis 15.000 Hz, mit einer maximalen Abweichung von +-2 dB. Bezugsfrequenz fb = 1.000 Hz. (Ausnahme Tonbandgeräte).

Es kann notwendig sein, daß zur Verbesserung der Sprachverständlichkeit eine Absenkung der tiefen Frequenzen von 6dB unterhalb von 250 Hz vorgenommen werden muß.

  • Der Normalpegel an den Ein- und Ausgängen der Tongeräte ist Pn = +6 dB = 1,55 V.
  • Alle Mikrofoneingänge müssen eine Empfindlichkeit von -64 dB haben.
  • Alle Ein- und Ausgänge müssen symmetrisch ausgeführt sein. Tonspannungsquellen mit unsymmetrischen Ausgängen müssen über geeignete Anpaßschaltungen angeschlossen werden. Alle Ein- und Ausgänge müssen die gleiche einheitliche Polung bei der Beschaltung der Steckvorrichtungen und Anschlußstellen aufweisen.
  • Der Klirrfaktor der gesamten Tonanlage darf maximal 1% betragen (Ausnahme

Tonbandgeräte).

  • Der A-bewertete Geräuschspannungsabstand muß größer als 60 dB sein.
  • Die Eingangsscheinwiderstände der tontechnischen Geräte müssen Zein >_5 kOhm

betragen.

  • Die Mikrofoneingänge müssen innerhalb des Frequenzbereiches ein Zein von >_1 kOhm haben.
  • Die Ausgangsscheinwiderstände der tontechnischen Geräte betragen Zaus <_ 40 Ohm.
  • Die Mikrofone sollen innerhalb des Frequenzbereiches einen Zaus von <_ 200 Ohm haben.
  • Die Tonanlage muß eine eigene Betriebserde haben, die isoliert ausgeführt und isoliert bis zum Zentralerdungspunkt geführt werden muß. Diese Betriebserde darf keine Verbindung mit der Erde anderer Systeme bzw. mit der Netzschutzerde (ausser am Zentralerdungspunkt) haben. Das Betriebserdungs¬system ist so auszuführen, daß jedes Anlagenteil (z.B. ein Verstärker) nur einen Erdungsanschluß hat, sodaß keine Erdungsschleifen entstehen. Diese könnten z.B. zu Brummstörungen führen.

Mikrofone

Es müssen hochwertige dynamische oder elektrostatische Systeme mit definierter Richtcharakteristik (nieren- oder cardioidförmig) verwendet werden.

Die Mikrofone müssen den Anforderungen nach DIN 45500, Teil 5 entsprechen. Wenn die Mikrofone aus großer Nähe besprochen werden sollen, müssen sie mit einem Popschutz (Windschutz) versehen sein, um Störgeräusche durch die Anlaute zu vermeiden. Sie müssen so aufgestellt oder angebracht werden, daß sie körperschalll-unempfindlich sind (z.B. Befestigung mit Schwingmetall oder Gummiaufhängung).

Mikrofone sollen, soweit von der Anwendung her möglich, drahtgebunden betrieben werden. Mikrofone für den beweglichen Einsatz, z. B. Handmikrofone, Ansteckmikrofone, Lavaliermikrofone (Umhängemikrofone) und ähnliche werden häufig wegen der größeren Beweglichkeit drahtlos betrieben. Es können dann nur soviele Mikrofon gleichzeitig betrieben werden, wie Betriebsfrequenzen zur Verfügung stehen. Jeder Betriebsfrequenz sind Empfangsanlagen zuzuordnen, die zur besseren Übertragungssicherheit möglichst mit zwei Empfangsantennen und zwei Empfängern (Diversitybetrieb) arbeiten. Der Abstand zwischen Empfangsantennen und drahtlosen Mikrofonen sollte so gering wie möglich sein, wobei Abschattungen vermieden werden müssen.

In der Nähe der Empfangsantennen dürfen sich keine Störquellen (z. B. Computer, Lichtstellanlagen, Dimmer) befinden.

Tonmischpulte

Werden in einem Tagungsraum mehr als ein Mikrofon eingesetzt, so muß die Steuerung über ein Tonmischpult erfolgen, in dem jedem Mikrofon ein gesonderter Einsteller und Entzerrer zugeordnet sein muß. Das Mischpult muß über einen Aussteuerungsmesser verfügen (DIN 15 905-4). Dieses Mischpult sollte sich vorzugsweise im Tonregieraum befinden.

Beschallungsanlagen

In allen publikumszugängigen Räumen muß eine Beschallung für Durchsagen und Ansprachen (in Sektionen schaltbar) vorhanden sein. Um eine gute Sprachverständlichkeit zu erreichen, muß der Sprecher die Zuhörer mit einem Schalldruckpegel von 70 dB bis 75 dB erreichen. In Tagungsräumen mit erhöhtem Störpegel kann ein Schalldruckpegel von 90 dB erforderlich sein. Ist dieser Schalldruckpegel nicht zu erreichen, muß zur besseren Verständlichkeit eine Beschallungsanlage eingesetzt werden. Der Umfang dieser Anlage richtet sich nach der Größe und der Auslastung des Tagungsraumes.

Um den Modulationsgrad der Sprache und damit die Sprachverständlichkeit zu optimieren, ist darauf zu achten, am Zuhörer das Verhältnis Direktschall zu Diffusschall möglichst groß zu halten. Aus dem gleichen Grund muß die Beschallungsanlage flächendeckend einen maximalen Schalldruckpegel von 85 dB erzeugen können, mit einer maximalen Abweichung +-3 dB innerhalb des Tagungsraumes. Die Qualität der Beschallung muß 0,5 STI (speech transmission index) entsprechen. Dieses gilt auch für die Übertragung von externen Plätzen und der Einspielung von Tonkonserven.

Die Raumbeschallung erfolgt in kleineren und nicht zu hohen Tagungsräumen vorzugsweise mit Deckenlautsprechern. Bei akustisch ungünstigen und größeren Tagungsräumen müssen die Lautsprecher zu Gruppen zusammengefaßt werden, die in ihrer Lautstärke getrennt eingestellt werden können. Die Auswahl, Anzahl und Anordnung der Lautsprechergruppen hängt ab von der Raumgröße und dem beabsichtigten Mikrofoneinsatz. Es ist dabei auf ausreichende akustische Rückkopplungsfreiheit zu achten. Sowohl die Lautsprecher als auch die Mikrofone müssen eine ausgeprägte Richtwirkung aufweisen (Mikrofone mit nieren- oder keulenförmiger Richtcharakteristik).

Um eine günstige Steuerungsmöglichkeit der Lautsprechergruppen zu erreichen, muß das Steuerpult im Tagungsraum so aufgestellt werden können, daß der bedienende Techniker eine gute Raumübersicht hat und das Ergebnis seiner Maßnahmen selbst im Raum hören kann. Um die Sprachverständlichkeit zu verbessern und die akustische Rückkopplungsneigung zu vermindern, sollte in der Beschallungsanlage eine Tiefenabsenkung, beginnend bei 250 Hz, eingesetzt werden. Befindet sich im Hause eine Lautsprecher-Alarmierungsanlage, so ist die Beschallungsanlage des Tagungsraumes als Teil dieser anzusehen. Das heißt, daß die Beschallungsanlage so mit der übrigen Alarmierungsanlage verbunden werden muß, daß auch hier Alarmierungsdurchsagen im Gefahrenfalle vor allen anderen Durchsagen Vorrang haben.

Diskussionsanlagen

Ist im Tagungsraum ein Schalldruckpegel von 70 dB bis 75 dB ohne technische Mittel nicht zu erreichen und sollen alle Teilnehmer die Möglichkeit zum Sprechen bekommen, muß die Verständlichkeit mit einer Diskussions- und Beschallungsanlage verbessert werden. Bei intensiver Diskussion und vielen Mikrofonen müssen die Teilnehmermikrofone in Armreichweite stehen, entweder mobil auf den Tischen (Tischmikrofone) oder fest eingebaut (Einbaumikrofone). Für eine gelegentliche Diskussion in einem größeren Kreis, bei einer Sitzanordnung mit oder ohne Tischen, ist es meistens ausreichend, wenn Standmikrofone in den Gängen aufgestellt werden. Werden im Tagungsraum viele Diskussionsmikrofone eingesetzt, ist eine dezentrale Beschallung (im Nahfeld der Tagungsteilneh¬mer) mit in den Teilnehmermikrofonen integrierten Lautsprechern vorzusehen. Die Mikrofone werden entweder durch Kabel in Einkabeltechnik (Durchschleiftechnik) oder drahtlos auf dafür vorgesehenen Betriebsfrequenzen untereinander und mit der Zentrale verbunden. Die Mikrofone werden durch die Tagungsteilnehmer selbst (dezentral) und/oder durch eine Bedienperson (zentral) geschaltet. Bei größeren Teilnehmerzahlen müssen sie zentral geschaltet werden. Die Teilnehmer können ihre Gesprächswünsche anmelden. Bei größeren Teilnehmerzahlen müssen die Mikrofone zentral geschaltet werden können. Dazu müssen die Teilnehmer ihre Gesprächswünsche anmelden können.

Es verbessert die Kommunikation, wenn bei einer Wortmeldung und Einschaltung eines Diskussionsmikrofons der Name des Teilnehmers projiziert wird (Personenerkennung). Vor allem bei Reden und Diskussionen in großen Tagungsäumen ist es hilfreich, wenn auch das Bild des jeweiligen Sprechers projiziert wird.

Führungsanlagen

Führungsanlagen bestehen aus einem drahtlosen Mikrofon und mehreren Funk-Empfängern mit Kopfhörern. Sie werden im Freien und in geschlossenen Räumen, in Museen und Fabrikhallen eingesetzt. Die erläuternde Person flüstert in das Mikrofon, die Teilnehmer der Gruppe verstehen die Erläuterungen innerhalb der Sende-Reichweite des Mikrofons. Mit Führungsanlagen auf verschiedenen Frequenzen können mehrere Gruppen gleichzeitig informiert werden.

Flüsteranlagen

Flüsteranlagen dienen der zweisprachigen Kommunikation. Sie bestehen - wie Führungsanlagen - aus einem drahtlosen Mikrofon und mehreren Funk-Empfängern mit Kopfhörern. Sie werden in Tagungsräumen zum Flüsterdolmetschen aus einer in eine Sprache eingesetzt. Der Dolmetscher sitzt in der Nähe des Redners, hört ohne technische Hilfsmittel und flüstert in das Mikrofon. Die Teilnehmer hören den Dolmetscher über Empfänger mit Kopfhörer. Flüsterdolmetschen ist besonders anstrengend. Flüsteranlagen erleichtern daher kaum die Arbeit der Dolmetscher. Der Einsatz von Flüsteranlagen sollte zeitlich begrenzt bleiben, sie sind kein Ersatz für Simultan-Dolmetscheranlagen.

Simultan-Dolmetscheranlagen

Simultan-Dolmetscheranlagen dienen zur mehrsprachigen Kommunikation. Sie stellen auf elektroakustischem Wege die vielsprachige Verbindung her zwischen Redner, Dolmetschern und Zu¬hörern (Teilnehmern). Die gesprochenen Texte des Redners werden in schall¬isolierte Kabinen übertragen, in denen Dolmetscher über Kopfhörer mithören und simultan dolmet¬schen. Die Ausführungen der Dolmetscher werden pro Ka¬bine (Sprache) über getrennte Kanäle zu den Teilnehmern übertragen, die wahlweise den Redner (Originalkanal) oder einen der Dolmetscher (Dolmetscherkanäle) über Kopfhörer hören können.

Übertragungswege

Bei Simultan-Dolmetscheranlagen werden die folgenden vier elektroakustischen Übertragungswege (Wege) unterschieden:

(1) Teilnehmermikrofon > Zentrale (2) Zentrale > Dolmetscherpulte > Dolmetscherkopfhörer (3) Dolmetschermikrofon > Dolmetscherpult > Zentrale (4) Zentrale > Sprachenwähler/Empfänger > Teilnehmerkopfhörer

Die Wege 2, 3 und 4 übertragen mehrere Ka¬nä¬le. Die Übertragung der Wege1 und 4 kann drahtgebunden oder drahtlos erfolgen. Die Übertragung des Redner-Kanales zum Teilnehmer (Weg 1 mit 4) kann auch über Lautsprecher erfol¬gen. Dies setzt allerdings voraus, daß damit keine Teilnehmer gestört werden und vor allem daß die Übertragungsqualität des Weges 1 zu den Dolmetschern dadurch sich nicht verschlechtert (z.B. durch Nachhall). Die Dolmetscherkanäle (Weg 4) dürfen nur über Kopfhörer, also niemals über Lautsprecher übertragen werden. Es ist zu unterscheiden zwischen Sprachen, aus denen (im Saal ge¬sprochene, aktive Sprachen, Eingangssprachen) und Sprachen, in die gedolmetscht wird (passive Sprachen, Ausgangssprachen). Sprachen, aus denen gedol¬metscht wird, werden über die Wege 1 und 2 übertragen. Sprachen, in die gedolmetscht wird, über die Wege 3 und 4. Die Wege 1 und 2 heißen Rednerkanal (Original). Die Wege 3 und 4 übertragen außer dem Rednerkanal die Dolmetscherkanäle.

Übertragungskanäle

Die Zahl der benötigten Übertragungskanäle ist abhängig von der Zahl der zu übertragenden Sprachen. Die Zahl der Sprachen, aus denen gedolmetscht wird, beeinflußt nicht die Zahl der Kanäle, wohl aber die Zahl der Dolmetscher, Kabinen und Kabinenausrüstungen sowie die Abmessungen (vor allem Breite) der Kabinen.

Für jede Sprache, in die gedolmetscht werden soll, wird ein Dolmetscherkanal benötigt. Bei der Übertragung aus dem Original in X Sprachen werden also im Gesamtsystem 1+X Kanäle benötigt. Beispiel 1: Im Saal wird englisch, deutsch, französisch und japanisch gesprochen, gedolmetscht wird nur in die Sprache englisch. Die Teilnehmer können also in ihrer Muttersprache sprechen, hören müssen sie aber den Kanal englisch. Es sind Dolmetscher für die Kombinationen Deutsch/Englisch, Französisch/Englisch und Japanisch/Englisch zu engagieren. Die Dolmetscheranlage ist für 1+2 Kanäle einzurichten. Beispiel 2: Es wird englisch, französisch, deutsch und niederländisch gesprochen und gedolmetscht werden soll nur in englisch und französisch (d.h. aus 4 in 2 Sprachen). Bedarf 1+2 Kanäle.

Normalerweise sind die auf einer Konferenz gesprochenen (aktiven) Spra¬chen identisch mit den Sprachen, in die gedolmetscht werden soll (gehörte = passive Sprachen). Beispiel 3: Es soll aus englisch, spanisch, französisch in englisch, spanisch und französisch gedolmetscht werden (d.h. aus allen 3 in alle 3 Sprachen). Dies bedeutet 1+3 Kanäle. Ein Teilnehmer, der seinen Empfänger auf spanisch eingestellt hat, hört Spanisch, wenn dies im Saal gesprochen wird und automatisch die spanische Kabine (Orginal-Dolmetscher-Umschaltung), sobald dort eine andere Sprache gesprochen wird.

Die Dolmetscherkanäle sind immer auf eine Sprache festgelegt. Man hört dort entweder die im Saal gesprochene Sprache oder den Dolmetscher.

Ausnahme: Bei einer nur zweisprachigen Tagung z.B. mit den Sprachen deutsch und englisch kann ausnahmsweise auch mit 1+1 Kanälen gearbeitet werden. Nachteil: Der Dolmetscherkanal ist immer mit dem Dolmetscher belegt, entweder mit Deutsch oder Englisch. Teilnehmer, die z.B. Deutsch nicht beherrschen, müssen den Kopfhörer absetzen, wenn Englisch im Tagungsraum gesprochen wird. Auch bei zweisprachen Tagungen sind also 1+2 Kanäle vorzuziehen.

Die Übertragungskanäle werden mit Zahlen bzw. mit dem Sprachencode gemäß ISO 639 gekennzeichnet (Beispiel DE für Deutsch). Die Zahlen sind an den Sprachenwahlschal¬tern angebracht und informieren zusammen mit den Beschriftungen und Anzeigen auf den Dolmetscherausrüstungen sowie den Kanalbelegungstafeln im Tagungsraum über die Kanalbelegun¬gen. Der Rednerkanal wird mit OR oder 0 gekennzeichnet. Danach folgen die Dolmetscherkanäle 1, 2, 3 usw.

Dolmetscherkabinen

Für jede Sprache, in die gedolmetscht werden soll, muss (bis auf wenige Ausnahmen) eine Dolmetscherkabine bereitstehen. Das bedeutet bei einer Konferenz mit 1+3 Kanälen 3 Kabinen und bei 1+16 Kanälen 16 Kabinen. Normalerweise ist jeder Kabine eine Sprache zugeordnet (z.B. „die französische Kabine”).

Ausnahme 1: Bei einer zweisprachigen Konferenz kann u.U. ein „kleines Dolmetscherteam” (2 bis 3 Dolmetscher) mit einer Kabine auskommen. Dafür muß eine Ausgangswahl verfügbar sein.

Ausnahme 2: Bei einer dreisprachigen Konferenz kann u.U. ein „kleines Dolmetscherteam” (4 bis 5 Dolmetscher) mit 2 Kabinen auskommen. Auch hier muß eine Ausgangswahl verfügbar sein.

Die Zahl der Dolmetscher (die Größe und Zusammensetzung des Dolmetscherteams) wird von den im Team verfügbaren Sprachenkombinationen, den Themen und der Konferenzdauer be¬stimmt, niemals aber vom Platz für die und in den Kabinen. Erst wenn das Dolmetscherteam zusammengestellt ist, steht endgültig fest, wie viele Kabinen und wie viele Arbeitsplätze (2, 3 oder 4) in den Kabinen erforderlich sein werden.

Ob ein Tagungsraum mit ortsfesten Kabinen genutzt werden kann, hängt davon ab, ob ausreichend Kabinen gemäß ISO 2603 vorhanden sind. Beim Einsatz transportabler Kabinen muß zusätzlich zum kalkulierten Platzbedarf für die Teilnehmer ausreichend Stellfläche im Tagungsraum vorhanden sein.

Vielsprachige Konferenzen, wie z.B. bei der EU erforderlich, stellen besonders hohe Anforderungen an den Platzbedarf für Kabinen. Da man aus Qualitätsgründen bestrebt ist, auch bei 16 und mehr Sprachen möglichst mit direktem Dolmetschen (d.h. ohne Relais-Dolmetschen) auszukommen, steigt die Zahl der Dolmetscher pro Kabine überdurchschnittlich. Die Zahl der Dolmetscher bestimmt also die Zahl der benötigten Arbeitsplätze der Kabinen, die Zahl der aktiven Sprachen gibt (bis auf die o.g. Ausnahmen) die Zahl der benö¬tigten Kabinen an.

Dolmetscherausrüstungen

Dolmetscherausrüstungen (Kabinenausrüstungen) bestehen aus Dolmetscherpulten bzw. Dolmetscher-Einbaufeldern und daran anzuschließenden Mikrofonen und Kopfhörern oder wahlweise Hörsprechgarnituren. Die Pulte bzw. Einbaufelder können für die Bedienung durch einen oder zwei Dolmetscher ausgelegt werden. Zum Einbau in den Kabinen muß pro Arbeitsplatz ein Einzelfeld vorgesehen werden. Doppel-Dolmetscherpulte können nur in Kabinen für zwei Dolmetscher eingesetzt werden.

Die wesentlichen Funktionen der Dolmetscherausrüstungen werden prozessorgesteuert. Aus Gründen der Betriebssicherheit verfügt jedes Pult über seine eigene (dezentrale) Steuerung und arbeitet somit fast autark, d.h. unabhängig von der Zentrale. Dolmetscherausrüstungen sind die Schaltstellen der Simultan-Dolmetscheranlage. Die Aufteilung in Funktionsfelder sowie die Abmessungen und die Anordnung der Bedienelemente und Anzeigen bestimmen die Gesamtgröße der Dolmetscherpulte und -felder:

Abhörfeld

Das Abhörfeld ermöglicht das Abhören aller Eingangskanäle (Eingangssprachen) über Kopfhörer und besteht aus Kanalwahlschalter, Lautstärkeeinsteller und einem Relaisvorwahl-Schalter (siehe Relais-Dolmetschen). Weitere Funktionen des Abhörfeldes sind der Gehörschutz (EN) „Protect your hearing” sowie „Repeat” (DE: Wiederholung), eine elektronische Wiederholungsschleife.

Mikrofonfeld

Das Mikrofonfeld besteht aus dem Mikrofonschalter, einer Leuchte „Mikrofon ein”, einer Räuspertaste sowie dem angrenzenden Ausgangswahl-Feld.

Ausgangswahlfeld

Das Ausgangswahlfeld dient zur Wahl des Ausgangskanals (der Ausgangssprache). Eine Allkanal-Ausgangswahl liegt vor, wenn das Funktionsfeld Ausgangswahl die Wahl zwischen allen Ausgangskanälen ermöglicht. Die AB-Ausgangswahl ermöglicht die Wahl von nur zwei voreingestellte Ausgangskanäle A und B.

Mithörfeld

Das Mithörfeld besteht aus einem Lautsprecher mit Einsteller zur Wiedergabe des Orginalkanals, der durch ein aktiviertes Kabinenmikrofon zwangsabgeschaltet wird.

Sonderfeld

Das Feld enthält eine Taste für den Ruf-Kanal CALL und eine gut lesbare LCD-Anzeige, auf der Informationen wie die vorgewählten Ausgangskanäle, der aktive Ausgangskanal, Besetztanzeigen von Ausgangskanälen, die vorgewählten Relais-Kanäle und der abgehörte Eingangskanal angezeigt werden können. Auf dem Sonderfeld kann auch ein Chipkarten-Leser integriert sein, um die Ausgangskanäle (durch den Techniker) und die Sprachkombinationen jedes Dolmetschers (durch den Dolmetscher) einzugeben.

Ausgangswahl

Die Ausgangswahl ermöglicht es den Dolmetschern, mit Hilfe ihrer Dolmetscherausrüstung selbst zu bestimmen, wann sie auf welchem Ausgangskanal arbeiten wollen. Diese Wahlmöglichkeit setzt natürlich voraus, daß zunächst im Dolmetscherteam und in Absprache mit dem Cheftechniker festgelegt worden ist, wer in welcher Kabine aus welchen Eingangssprachen in welche Ausgangssprachen dolmetschen wird. Die Simultan-Dolmetscheranlage soll Doppelbelegungen von Ausgangskanälen vermeiden und belegte Kanäle den Dolmetschern und dem Techniker anzeigen.

Schütze Dein Gehör

(Protect your hearing) Der mögliche Schalldruckpegel von dynamischen Kopfhörern kann bei regelmäßiger und längerer Überschreitung der zulässigen Schalldruckpegel dauernde Gehörschädigungen verursachen. Dolmetscher sind versucht, vor allem wenn sie ermüden, den Schallpegel zu erhöhen, um damit die über die Knochenleitung zum Ohr geführte eigene Lautstärke zu übertönen. Eine Limitierung der Kopfhörerausgänge auf bestimmte Pegel verbietet sich aber, da es den Dolmetschern möglich sein muß, in bestimmten Situationen auch lauter hören zu können. Die Funktion speichert Lautstärken und Zeit und ermittelt so, ab wann der zulässige Schalldruckpegel - bezogen auf den benutzten Kopfhörertyp - gesundheitsschädlich wird und warnt durch eine Leuchte. Die technischen Daten des benutzen Kopfhörers werden mit der Chipkarte eingegeben.

Wiederholung

Repeat ist die zeitverzögerte Wiedergabe des abgehörten Eingangskanals. Sollte ein Dolmetscher etwas nicht deutlich gehört haben, besteht durch die Funktion „Repeat„ die Möglichkeit, eine ständig auf dem abgehörten Kanal mitlaufende elektronische Schleife einzuschalten und sich die letzten Sekunden nochmals zeitversetzt anzuhören. Danach gibt es mehrere Möglichkeiten, wieder in die Realzeit zurückzukommen, ohne daß das Dolmetschen unterbrochen werden muß.

Ruf-Kanal CALL

Von jedem Kabinenplatz aus kann bei Bedarf eine vorbestimmte Person Sitzungsleiter, Sekretär, Redner, Techniker) direkt angesprochen werden. Damit kann z.B. ein Redner gebeten werden, langsamer zu sprechen oder das Mikrofon zu benutzen.

Persönliche Werkzeuge